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Big Baits = big Hecht?

Welche Ködergröße um erfolgreich auf Hechte zu Angeln?

Was passt ins Hechtmaul & was in das Beuteschema?

Erstens, was passt rein ins Beuteschema vom Hecht?

Diese Frage hat schon viele Wissenschaftler bewegt, und es kann zusammenfassend gesagt werden; alles, was ins Maul passt. Harvey (2009) hat in einer Literaturübersicht den damaligen Wissenstand zusammengefasst. Zu dem Zeitpunkt wurden in verschiedenen Studien neben Fischen alle möglichen anderen im oder am Wasser vorkommenden Lebewesen in Hechtmägen gefunden. Dazu gehörten neben Wasserinsekten, Blutegeln und Krebsen, eben auch Mäuse und Ratten, verschiedene Wasservögel (Blesshühner und junge Enten) und sogar auch junge Bisamratten!

Zweitens, was passt rein ins Hechtmaul?

In einer weiteren Literaturübersicht von Raat (1988) findet man Angaben zur bevorzugten Größe der Beuteorganismen. Demnach liegt die optimale Beutegröße bei circa einem Viertel der Hechtgröße! Das heißt, dass ein 80 cm langer Hecht Beutefische um die 20 cm bevorzugt attackiert. Harvey (2000) gibt eine Beutelänge von bis zu 50% der Länge des Hechtes an! In einem Aquarienversuch von Hart und Hamrin (1988) zeigte sich jedoch, dass wenn Hechte die Wahl zwischen verhältnismäßig kleiner und großer Beute haben, es eine deutliche Präferenz für kleinere Beutefisch gibt. Zu einem sehr ähnlichen Ergebnis kamen Nielsson und Brönmark (2000), auch in ihrer Studie bevorzugten Hechte eindeutig kleinere Beutefische vor Großen, wenn sie die Wahl hatten.  Eine Studie die Raat (1988) zu diesem Thema aufgreift, beschreibt eine relative Abnahme der Beutegröße, mit Zunahme der Totallänge des Hechtes. Das bedeutet, dass kleine Hechte relativ große Beuteorganismen fressen, während große Hechte relativ kleine Beutefische bevorzugen, natürlich immer in Relation zur Gesamtlänge des Hechtes gesehen.

Warum eher kleine Beute beim Hecht?

In Raat (1988) heißt es weiterhin, dass in einer Studie, Hechte im Winter sogar vergleichsweise kleinere Beutefische fraßen, als im Frühling oder Sommer. Ein wirklich bemerkenswertes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass wir Angler im Winter meist zu größeren Ködern greifen. Doch warum werden denn nun kleinere Beutefische bevorzugt? Für mich war immer klar, dass eine große Beute eine lohnendere Beute darstellt. Also mit einer erfolgreichen Attacke, kann der Hecht viel Energie aufnehmen und darum sollte der Hecht immer die größte, vorhandene Beute attackieren, die er noch schlucken kann. Bei dieser Betrachtung habe ich allerdings eine wichtige Komponente vergessen. Die sogenannte „handling-time“, also die Zeit die ein Hecht benötigt um die Beute in eine Position zu bringen in der er sie schlucken kann. Mit zunehmender Größe der Beute, steigt die“ handling-time“ und mit zunehmender „handling-time“, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Beute während dieses Vorgangs entkommt. Diese Fluchtwahrscheinlichkeit ist, nach Nielsson und Brönmark (2000), wohl einer der Hauptgründe, warum Hechte eher kleinere Beutefische, die einfach zu „Verarbeiten“ sind, bevorzugen.

Was heißt das für uns als Angler beim Hechtangeln?

Für uns als Angler bedeutet das, zumindest mit Hinblick auf die Ködergröße, eine völlige Entspannung. Es ist nicht notwendig, sich mit dem Werfen von 25 cm+ Gummifischen abzuplagen um große Hechte zu fangen. Angenehme Ködergrößen um die 15 bis 20 cm, die einfach zu werfen sind und sehr lange ermüdungsfrei gefischt werden können, sind ideale Köder für so ziemlich alle Hechtgrößen. Außerdem bedeutet dies, wer gezielt mit Großködern angelt, angelt vielleicht auch gezielt an einer gewissen Anzahl von Großhechten vorbei! Zumindest, wenn diese die Wahl haben zwischen unserem Big Bait und einer eher „handlichen“ Beute.

 

Literatur:

  • Hart, P., & Hamrin, S. F. (1988). Pike as a Selective Predator. Effects of Prey Size, Availability, Cover and Pike Jaw Dimensions. OIKOS, 51(2), 220- 226.
  • Harvey, B. (2009). A Biological Synopsis of Northern Pike (Esox Lucius). Canadian Manuscript Report of Fisheries and Aquatic Sciences, 2885.
  • Nielsson, P. A., & Brönmark, C. (2000). Prey vulnerability to a gape-size limited predator_behavioral and morphological impacts on northern pike piscivory. OIKOS, 88.
  • Raat, A. J. P. (1988). Synopsis of biological Data on the Northern pike Esox lucius Linnaeus, 1758. FAO Fishery Synopsis, 30(2).

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