Monatlich überraschende Kunstköder - seit 2012

Hechte in Seen - Bevorzugte Standplätze

Generelle Lebensraumtypen

In einem früheren Artikel habe ich bereits die sehr ausführliche Arbeit von Alexander Kobler (2007) zu diesem Thema kurz vorgestellt. Kobler konnte bei seinen Untersuchungen zwischen drei wesentlichen Hechttypen unterscheiden. Der Lebensraumgeneralist, der sich am Tag hauptsächlich in den dichten Unterwasserpflanzen aufhält, und nur nachts in die Freiwasserzone wechselt, der Schilfspezialist, der sich sowohl tags als auch nachts hauptsächlich im Schilfgürtel aufhält und der Krautspezialist, der sich zu jeglichen Tageszeiten fast ausschließlich an den Unterwasserpflanzen aufhält. Die Freiwasserhecht-Spezialisten werden sich zu Recht fragen, warum nicht mehr Tiere in der Freiwasserzone nachgewiesen wurden. Dazu sei erwähnt, dass es sich bei dem Untersuchungsgewässer mit 27 ha um ein eher kleines Gewässer handelt. Nichtsdestotrotz wurden auch Hechte mit weit über 90cm Länge in dieser Studie berücksichtigt. Ich denke diese Studie verdeutlich sehr gut, wie abhängig der Hecht von Pflanzen und gut strukturierten Lebensräumen ist.

Laichzeit und kurz danach

Jeder Hechtangler weiß, dass diese Abhängigkeit von Pflanzen besonders stark ausgeprägt ist, während der Laichzeit (in Deutschland März bis April). Meistens finden wir die Hechte dann in extrem flachen Gebieten, die sich schnell erwärmen und gleichzeitig ein ausreichend großes Angebot an Unterwasserpflanzen aufweisen. In dieser Zeit dürfen Hechte zu Recht häufig nicht beangelt werden! Doch wo befinden sich die Hechte nach der Schonzeit? Mit dieser Frage haben sich indirekt  Wissenschaftler im Jahr 2013 beschäftigt. Sie untersuchten die bevorzugten Tiefen und Temperaturverhältnisse der Hechte in drei großen Seen. Zusätzlich und besonders interessant für uns Angler, sie unterschieden dabei zwischen großen  (um die 80cm) und kleinen (um die 50cm) Hechten. Für mich sehr erstaunlich war, dass sich nach der Laichzeit zunächst die kleinen Hechte aus den Laichregionen zurückziehen! Also besonders die großen Weibchen verbleiben zunächst in den flachen, krautreichen Regionen und genau dort können wir sie dann am erfolgreichsten beangeln.

Frühsommer und Sommer

Erst später im Jahr, wenn das Wasser noch wärmer wird, verlassen die großen Hechte die flachen Bereiche und ziehen in tiefere Gewässerabschnitte. Dabei haben sich die großen Hechte in der Studie extrem stark an der Sprungschicht orientiert. Die bevorzugte Temperatur der Hechte lag dabei zwischen 16 und 21 °C. Die kleineren Hechte kehren stattdessen zurück in die flachen, um die zwei Meter tiefen Regionen, sofern diese genug Schutz (Pflanzenbewuchs) gegen Räuber aus der Luft bieten. Sollte dies nicht der Fall sein, ziehen sich auch diese Tiere in tiefere Regionen eines Sees zurück.

Also, wer es auf kapitale Fische abgesehen hat, sollte sich im Sommer unbedingt an der Sprungschicht orientieren, wer dagegen lieber Portionshechte fangen möchte, sollte auch im Sommer die flachen Bereiche des Sees beangeln.

Individualisten

Die Studie zeigte weiterhin, dass es auch bei Hechten ausgeprägte Individualisten gibt. So wurde zum Beispiel ein kleiner Hecht, entgegen der Regel, fast ausschließlich in Tiefen von mehr als vier Metern nachgewiesen. Im Gegensatz dazu, verbrachte ein großer Hecht von knapp einem Meter Länge auch den Herbst und Winter in Tiefen zwischen einem und drei Metern. Ein weiterer großer Hecht suchte, im Kontrast dazu, nach dem ersten Eis Tiefen von mehr als 14 Meter auf! Und als wäre das nicht genug, es konnte weiterhin gezeigt werden, dass sich das Verhalten einzelner Tiere von Jahr zu Jahr stark verändern kann. Ein Hecht der in einem Jahr häufig im flachen Wasser angetroffen wurde, kann sich im nächsten vermehrt in sehr tiefen Regionen aufhalten.

Fazit

Für uns Angler heißt das, es gibt generelle Trends, auf die wir uns im Allgemeinen verlassen können. So zum Beispiel die Kraut- und Schilfaffinität des Hechtes. Allerdings unterliegen diese Muster jährlichen Schwankungen und es gibt auch immer Individualisten unter den Hechten. Das heißt, dass auch ein Wurf ins sommerlich, warme, flache Wasser den absoluten Ausnahmefisch bringen kann. Das macht Angeln so spannend oder?

 

Literatur

  • Kobler, A. (2007). Habitatwahl und Aktivität des Hechtes (Esox lucius L.) im Kleinen Döllnsee- Eine radiotelemetrische Untersuchung. (Diplomarbeit), Universität Hohenheim und Leibniz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Berlin. Diplomarbeit.
  • Pierce, R. B., Carlson, A. J., Carlson, B. M., Hudson, D., & Staples, D. F. (2013). Depths and Thermal Habitat Used by Large versus Small Northern Pike in Three Minnesota Lakes. Transactions of the American Fisheries Society, 142(6), 1629-1639. doi:10.1080/00028487.2013.82242200

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachte, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen

Suche auf unserer Seite

MFB Adventskalender 2021

Ja ist denn schon wieder Weihnachten?! Trage dich in den Newsletter ein und erhalte als Erste*r alle Neuigkeiten.

Warenkorb