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Invasive Arten- verlieren wir die Einzigartigkeit unserer Gewässer

Invasive Arten- verlieren wir die Einzigartigkeit unserer Gewässer

„Schwarzbarsche in Mecklenburg“, als ich davon gelesen habe, dass Fischer einen ihrer Fischteiche in Boek (Mecklenburg), mit den begehrten Barschen besetzten, war ich erstaunt, dass so etwas heutzutage überhaupt noch möglich ist. Ganz ehrlich, ich war erschrocken und möchte in diesem kurzen Artikel darlegen warum.

Invasive Arten, also Tier- und Pflanzenarten, die sich durch Hilfe des Menschen in Regionen ausbreiten, in denen sie nicht natürlich vorkommen, sich dort etablieren und schließlich erfolgreich ausbreiten, zählen zu einer der größten Gefahren für die Artenvielfalt weltweit (Clavero & Garcia- Berthou, 2005). Speziell in Süßgewässern zählen Angler und deren Interessen als eine der häufigsten Ursachen für die Verbreitung von invasiven Arten (Elvira, 2001), häufig mit nicht absehbaren Folgen. So hat die Einbürgerung von Forellenbarsch, Wels, Hecht und Flussbarsch fast die gesamte natürliche spanische Fischfauna unwiederbringlich zerstört (Maceda-Veiga et al., 2010). Die Regenbogenforelle wird hierzulande gerne als Sportfisch besetzt, ähnlich wie jetzt der Schwarzbarsch in Mecklenburg, zählt aber gleichzeitig zu den 100 schlimmsten invasiven Arten (Lowe et al., 2000) und hat teilweise sehr negative Auswirkungen auf heimische Fische (Blanchet et al., 2007; Crowl et al., 1992).

Für uns Angler scheinen diese Einbürgerungen zunächst positiv, häufig zeichnet sich jedoch schon nach einigen Jahren ein ganz anderes Bild ab. Auch wenn z.B. die Schwarzmaulgrundel nicht durch Angler verbreitet wurde, zählt sie in vielen Flüssen Deutschlands mittlerweile als Plage. Gleiches gilt wohl für die Wollhandkrabbe. Für den Wels zeichnet sich für Deutschland eine ähnliche Entwicklung ab wie in Spanien, in vielen Gewässern wird auch er zur Plage und verändert die heimische Artengemeinschaft womöglich nachhaltig. Sonnenbarsche, Guppys und viele andere Fischarten breiten sich immer weiter aus.

Speziell für die Schwarzbarsche in Mecklenburg wird von einer „Abschottung“ der Teiche gesprochen, ob dies wirklich möglich ist, bleibt sicherlich fraglich. Auch wenn es kaum wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass Fischeier z.B. durch Wasservögel verbreitet werden (Schmidt, 2013), so zeigte sich schon allzu oft, dass vermeintlich „sichere“ Orte häufig nur als erste Station für eine schnelle Ausbreitung dienten (Elvira, 2001).

Sollte man sich nicht fragen, ob es wirklich notwendig ist, solche fremden Arten hier bewusst einzubürgern? Nicht nur wegen der möglichen unabsehbaren Folgen für unsere heimische Fischfauna, sondern auch für ein allgemeines Angelerlebnis. Macht es denn wirklich den Reiz aus, dass ich nach Spanien fahre nur um dort dieselben Fischarten zu fangen, die ich auch vor der Haustür fangen kann nur ein paar Zentimeter größer? Ist es nicht spannender in Länder zu fahren und eine intakte heimische Fischfauna vorzufinden, die sich in großen Teilen von der unseren unterscheidet?

Wenn ich in jedem Urlaubsland nur zu McDonalds gehe, habe ich dann wirklich was von der einheimischen Küche gesehen?

Global zeichnet es sich ab, dass die Fischartenvielfalt immer weiter abnimmt (Dudgeon et al., 2006) und durch die Verbreitung von invasiven Arten werden sich die Artgemeinschaften auch zunehmend ähnlicher (Villéger et al., 2015), ist das wirklich erstrebenswert?

 

 

Literatur:

  • Blanchet, S., Loot, G., Grenouillet, G., & Brosse, S. (2007). Competitive interactions between native and exotic salmonids: a combined field and laboratory demonstration. Ecology of Freshwater Fish, 16(2), 133-143. doi:10.1111/j.1600-0633.2006.00205.x
  • Clavero, M., & Garcia-Berthou, E. (2005). Invasive species are a leading cause of animal extinctions. Trends Ecol Evol, 20(3), 110. doi:10.1016/j.tree.2005.01.003
  • Crowl, T. A., Townsend, C. R., & Mcintosh, R. (1992). The impact of introduced brown and rainbow trout on native fish: the case of Australasia. Reviews in Fish Biology and Fisheries, 2(1), 217- 241.
  • Dudgeon, D., Arthington, A. H., Gessner, M. O., Kawabata, Z., Knowler, D. J., Leveque, C., et al. (2006). Freshwater biodiversity: importance, threats, status and conservation challenges. Biol Rev Camb Philos Soc, 81(2), 163-182. doi:10.1017/S1464793105006950
  • Elvira, B. (2001). Freshwater fish introductions in Spain: facts and figures at the beginning of the 21st century. Journal of Fish Biology, 59, 323-331. doi:10.1111/j.1095-8649.2001.tb01393.x
  • Lowe, S., Browne, M., Boudjelas, S., & De Poorter, M. (2000). 100 of the World’s Worst Invasive Alien Species A selection from Blobal Invasive Species Database: The Invasive Species Specialist Group (ISSG).
  • Maceda-Veiga, A., Monleon-Getino, A., Caiola, N., Casals, F., & de Sostoa, A. (2010). Changes in fish assemblages in catchments in north-eastern Spain: biodiversity, conservation status and introduced species. Freshwater Biology. doi:10.1111/j.1365-2427.2010.02407.x
  • Schmidt, B. R. (2013). Transportieren Enten Fische in natürlicherweise fischfreie Amphibienlaichgebiete? Zeitschrift für Feldherpetologie, 20(1), 137-144.
  • Villéger, S., Blanchet, S., Beauchard, O., Oberdorff, T., Brosse, S., & Jeschke, J. (2015). From current distinctiveness to future homogenization of the world’s freshwater fish faunas. Diversity and Distributions, 21(2), 223-235. doi:10.1111/ddi.12242

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