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Sterberaten beim Catch & Release (C&R)

Sterberate beim Hecht in Bezug auf C&R (Teil 1)

Bereits 1992 wurde in den USA eine Studie zur Sterblichkeitsrate von Hechten, nachdem sie mit der Angel gefangen und anschließend zurückgesetzt wurden, durchgeführt (Burkholder, 1992). In dieser Studie wurden 63 Hechte zwischen 40 und 90cm Totallänge mit Netzen gefangen, markiert und anschließend in Versuchsteiche gesetzt und über einen Zeitraum von knapp vier Monaten beangelt. In dieser Zeit wurden 18 Hechte nie gefangen, 44 Hechte wurden zwischen ein und viermal gefangen und ein Hecht wurde sogar achtmal gefangen. Keiner der gefangenen Hechte ist nach dem Zurücksetzen gestorben! Weitere Studien kamen zu ähnlichen Ergebnissen. In einer von Hühn und Arlinghaus (2011) erstellten Literaturübersicht, stellte sich heraus, dass im Schnitt 14,9 ± 7% aller zurückgesetzten Hechte sterben. Gleichzeitig wurde in dieser Übersicht untersucht, welche Faktoren zur Mortalität führen können. Hier zeigte sich, dass die Wahl des Köders von entscheidender Bedeutung sein kann. Bei Fischen (in der Studie wurden noch weitere Arten betrachtet) die auf Kunstköder gefangen wurden, starben im Schnitt 11% der Individuen, während die Mortalitätsrate bei Fischen die auf Naturköder gefangen wurden im Schnitt bei 26% lag. Weiterhin konnte herausgefunden werden, dass die Wassertemperatur einen Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit hat. Bei höheren Wassertemperaturen starben mehr Fische, als bei kälteren.

Die relativ geringen Sterberaten (trotzdem stirbt noch ungefähr jeder zehnte Fisch!) setzen natürlich einen vorsichtigen Umgang mit dem Fisch voraus, nur so kann das Zurücksetzen Sinn machen und der Fisch hat eine echte Chance zu überleben. Colotelo und Cooke (2011) untersuchten in einer Studie die Schleimhautverletzungen die ein Hecht davonträgt, wenn er gelandet wird. Es zeigte sich, dass Hechte zum Teil immense Schleimhautverletzungen davontragen, wenn zum Beispiel die Schnur über den Fisch reibt oder der Fisch mit einem geknoteten Nylonnetz gekeschert wird. Ebenfalls große Verletzungen der Schleimhaut wurden hervorgerufen, wenn der Fisch auf eine raue Oberfläche wie zum Beispiel den häufig mit Teppich ausgelegten Boden eines Bootes gelegt wird. Im Gegensatz dazu waren die Schleimhautverletzungen bei Verwendung von gummierten Netzen oder der Ablage auf glatten Oberflächen relativ gering.

Abschließend möchte ich hier noch eine Studie von Klefoth und Mitarbeitern (2011) erwähnen. In dieser Studie wurde das Verhalten von Hechten nachdem sie mit der Angel gefangen und zurückgesetzt wurden untersucht. Es zeigte sich, dass gefangene Hechte nach dem Zurücksetzen häufiger in strukturreichen Gebieten des Versuchsgewässers angetroffen wurden. Das bedeutet, dass die Hechte nach dem Zurücksetzen dicht bewachsene oder anders strukturierte Gebiete aufgesucht haben, vermutlich, weil diese Gebiete einen gewissen Schutz- bzw. Sicherheitscharackter aufweisen. Interessanter ist aber, dass die Wachstumsrate von gefangenen Hechten im Vergleich zu nicht mit der Angel gefangenen Artgenossen wesentlich geringer war. Das heißt also, dass es einen deutlichen Einfluss des Fangens und Zurücksetzens auf die Wachstumsrate des jeweiligen Individuums gab. Die Autoren setzen sich daher für einen besonders schonenden Umgang mit dem Fisch ein, denn selbst wenn ein Fisch zurückgesetzt wird, kann es nachteilige Auswirkungen für dieses Individuum geben in Bezug auf dessen Fortpflanzungserfolg. Das wiederum kann sich auf die gesamte Hechtpopulation in einem Gewässer auswirken.

Der nächste Beitrag wird dieses Thema wieder aufgreifen, allerdings stehen dann Zander und Barsch im Fokus. Hier liegen die Sterberaten leider deutlich höher.

 

Literatur:

  • Burkholder, A. (1992). Mortality of Northern Pike Captured and Released with Sport Fishing Gear. Fishery Data Series, 62(3).
  • Colotelo, A. H., & Cooke, S. J. (2011). Evaluation of common angling-induced sources of epithelial damage for popular freshwater sport fish using fluorescein. Fisheries Research, 109(2-3), 217-224. doi:10.1016/j.fishres.2010.12.005
  • Hühn, D., & Arlinghaus, R. (2011). Determinants of Hooking Mortality in Freshwater Recreational Fisheries: A Quantitative Meta-Analysis. American Fisheries Society Symposium, 75.
  • Klefoth, T., Kobler, A., & Arlinghaus, R. (2011). Behavioural and fitness consequences of direct and indirect non-lethal disturbances in a catch-and-release northern pike (Esox lucius) fishery. Knowledge and Management of Aquatic Ecosystems(403), 11. doi:10.1051/kmae/2011072

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