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Sterberaten zurückgesetzter Barsche

Sterberate beim BARSCH in Bezug auf zurückgesetzte Fische

Nachdem ich für die letzten beiden Teile die vorhandene Literatur genauer nach Hechten und Zandern durchforstet hatte, soll es im vorerst letzten Teil dieser kleinen Serie um den Barsch gehen.

Nachdem die Literatur gezeigt hat, dass der Hecht relativ unempfindlich auf das Fangen mit anschließendem Zurücksetzen reagiert hat, sah das beim Zander schon anders aus. Es wurde deutlich, dass sich ein schnelles Zurücksetzen und möglichst geringe Zeiträume außerhalb des Wassers (am besten im Kescher abhaken) sehr positiv auf die Überlebenschancen auswirkten.

Doch wie sieht das nun bei Barsch aus? Zu unserem Barsch (Perca fluviatilis) konnte ich noch weniger Studien finden, als zum Zander, weshalb ich mich hier auf Studien, die an nah verwandten Arten durchgeführt wurden, beziehe. Zu den nah verwandten Arten, zählt eben auch der Zander, weshalb viele Ergebnisse der an Zandern durchgeführten Studien auch auf den Barsch zumindest teilweise übertragen werden können.

Zeit außerhalb des Wassers und Temperatur sind entscheidend!

Dazu möchte ich hier zum Einstieg noch ergänzend die Literaturübersicht zu den Sterberaten herbeigeführt durch Fangen und Zurücksetzen von Fischen von Muoneke und Childress (1994) erwähnen. Die Autoren fanden heraus, dass Studien durchgeführt an Glasaugenbarschen (engl.: Walleye; Sander vitreus) zeigten, dass die Sterberaten nach dem Zurücksetzen zunächst sehr gering ausfielen (zwischen 5 und 16%). Wenn die Fische allerdings unter Wettkampfbedingungen gefangen wurden, und entsprechend vermessen und/oder gewogen wurden, stieg die Sterberate auf circa 40% (!) an. Dieser Trend wurde bestätigt durch eine von Hall und Mitarbeitern (2012) durchgeführte Studie an Goldbarschen (engl.: Golden Perch; Macquaria ambigua). In ihrer Studie starben wenige der sofort zurückgesetzten Fische, während von Fischen die nach einer Messprozedur im Sommer (warmes Wasser) zurückgesetzt wurden, circa 25% starben. Die Literaturübersicht und die Studie, bestätigen bei Barschen einen Trend, der wohl für alle Fische zutreffend ist und daher bei verantwortungsvollen Anglern immer Berücksichtigung finden sollte: Wenn Fische zurückgesetzt werden sollen, sollten diese immer nur so lange wie unbedingt nötig außerhalb des Wassers sein! Dies gilt umso mehr, umso wärmer das Wasser ist!

Ultralight Angelei kann Vorteile bringen!

Dem ist noch eine Studie von Cooke und Mitarbeitern (2016) hinzuzufügen. In ihr wurden die Auswirkungen von leichtem (Ultralight) und schwerem (Heavyweight) Angelgerät in Kombination mit unterschiedlichen Zeiten, die sich ein gefangener Forellenbarsch (engl.: Largemouth Bass, Micropterus salmoides) außerhalb des Wassers befand, auf die Kondition, also wesentliche körperliche Funktionen, untersucht. Das Ergebnis war für mich sehr überraschend. Es konnte gezeigt werden, dass Fische die an leichtem Gerät gefangen wurden, leichter außerhalb des Wassers zu handhaben waren, also die Fische zappelten weniger, und der Haken konnte leichter gelöst werden. Bei Fischen die an schwerem Gerät gefangen wurden, war dies nicht so. Vermutlich führte die verlängerte Drillzeit mit Ultralight Gerät, und der damit erhöhte Erschöpfungszustand des Fisches, zu diesen Unterschieden. Allerdings wirkte sich die Zeit, die sich Fische außerhalb des Wassers befanden, bei Barschen die an leichtem Gerät gefangen wurden, schneller und nachhaltiger negativ aus, als bei Fischen die an schwerem Gerät gefangen wurden. Dies zeigt, dass die immer beliebter werdende Ultralight Angelei durchaus Vorteile in Bezug auf die Überlebenschancen zurückgesetzter Fische bringen kann, da z.B. Haken sehr schnell gelöst werden können. Jedoch muss die Zeit die sich der Fisch außerhalb des Wassers befindet so kurz wie nur irgendwie möglich gehalten werden, da sonst schnell negative Effekte für die Fische eintreten können.

Allgemeine Schlussfolgerung

Durch die Angelei mit Kunstködern, wird die Gefahr, dass Fische durch einen zu tief geschluckten Köder sterben extrem minimiert, das heißt es gibt beste Voraussetzungen für ein Überleben der Fische nach dem Zurücksetzen. Wenn Fische zurückgesetzt werden sollen, ist es allerdings enorm wichtig, dass die Zeit außerhalb des Wassers nur so lang wie absolut nötig ist. Dies wird umso wichtiger, umso wärmer das Wasser ist. Mit Angelgerät, dass gut auf die zu erwartende Kampfkraft des Zielfisches abgestimmt ist, lässt sich der Fisch so ermüden, dass ein Lösen des Hakens sehr vereinfacht wird. Wird der Fisch zusätzlich noch im Wasser direkt abgehakt (!), haben wir als Angler beste Voraussetzungen für ein Überleben des Fisches geschaffen.

 

Literatur:

  • Cooke, S. J., Cooke, C. J. A., & Brownscombe, J. W. (2016). Ultralight or Heavyweight? The Interactive Effects of Gear Strength and Air Exposure on Reflex Impairment in Largemouth Bass. Transactions of the American Fisheries Society, 145(6), 1202-1207. doi:10.1080/00028487.2016.1208116
  • Hall, K. C., Broadhurst, M. K., & Butcher, P. A. (2012). Post-release mortality of angled golden perch Macquaria ambigua and Murray cod Maccullochella peelii. Fisheries Management and Ecology, 19(1), 10-21. doi:10.1111/j.1365-2400.2011.00809.x
  • Muoneke, M. I., & Childress, W. M. (1994). Hooking mortality: A review for recreational fisheries. Reviews in Fisheries Science, 2(2), 123-156. doi:10.1080/10641269409388555

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